Leitfaden zum Mastering für Streaming: Normalisierung, LUFS und Lautstärke(1.725 Mal gelesen)

Angesichts der Tatsache, dass im Jahr 2023 84% der digitalen Musik per Streaming konsumiert wurden, war es noch nie so wichtig wie heute, zu verstehen, wie man das Mastering für Plattformen wie Spotify, Apple Music und viele andere optimiert. Dieser ausführliche Leitfaden soll dich Schritt für Schritt dabei begleiten, wesentliche Konzepte wie Loudness, LUFS und Normalisierung zu verstehen und anzuwenden, um sicherzustellen, dass deine Musik überall, wo sie gehört wird, optimal klingt.


Was versteht man unter Loudness und warum ist sie beim Mastering wichtig?

Definition von Loudness

Die Lautstärke bezeichnet die Wahrnehmung der Lautstärke eines Tons, ist jedoch kein absoluter Begriff. Sie hängt ab von:

  • Der Schalldruck (SPL) im Raum.
  • Die Eigenschaften des Klangs, wie beispielsweise die Frequenzverteilung.
  • Die individuelle Empfindsamkeit des Zuhörers.

Um die Lautstärke im digitalen Bereich objektiv zu messen, werden Instrumente wie die Loudness-Messgeräte, die universelle Standards zur Quantifizierung der Wahrnehmung anwenden.

LUFS: Der Standard für die Messung der Lautstärke

LUFS (Loudness Units Full Scale) ist die weltweit anerkannte Maßeinheit für die wahrgenommene Lautstärke. LUFS-Messgeräte simulieren das menschliche Gehör mithilfe eines Verfahrens namens K-Gewichtung, dass:

  • Dämpft Frequenzen unter 100 Hz.
  • Verstärke die Frequenzen oberhalb von 2 kHz.

LUFS-Messgeräte bieten fünf wichtige Messgrößen:

  1. Momentane Lautstärke: Misst den Effektivwert über ein Zeitfenster von 400 ms.
  2. Kurzzeit-Lautstärke: Ähnlich wie oben, jedoch mit einem Zeitfenster von 3 Sekunden.
  3. Integrierte Lautstärke: Berechne den gewichteten Mittelwert eines Musikstücks, wobei sehr leise Signale (-70 LUFS) und zu leise Passagen (-10 LU im Vergleich zum Mittelwert) ausgeschlossen werden.
  4. Loudness Range (LRA): Bewerten Sie die Dynamik eines Musikstücks, von hohen Pegeln (z. B. klassische Musik, 20 dB) bis hin zu extremer Kompression (z. B. Metal, 3–4 dB); in der modernen Popmusik kann ein Durchschnittswert von etwa 5–8 dB als optimal angesehen werden, um sowohl den Anforderungen der Kompression als auch der Wahrung der Ausdrucksdynamik gerecht zu werden.
  5. True Peak: Misst die tatsächlichen Spitzenwerte eines digitalen Signals unter Berücksichtigung etwaiger Verzerrungen, die durch die Digital-Analog-Wandlung (DAC) verursacht werden.

K-Gewichtung: Ein Filter, der von der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) in den Standard ITU-R BS.1770 (2006) aufgenommen wurde, um die wahrgenommene Lautstärke zu messen. Er simuliert die menschliche Empfindlichkeit, indem er Frequenzen unter 100 Hz dämpft und solche über 2 kHz betont. Basierend auf früheren Studien wie der A-Bewertung verbessert er die Darstellung der Lautstärke in professionellen Kontexten wie Rundfunk und Streaming. Er wurde in Zusammenarbeit mit internationalen Experten, darunter Eelco Grimm und Thomas Lund, entwickelt und soll eine genauere und konsistentere Messung im Vergleich zur tatsächlichen Wahrnehmung der Zuhörer bieten.


Normalisierung: Was ist das und wie wirkt sie sich auf das Mastering aus?

Das Konzept der Normalisierung

Durch die Normalisierung wird die Lautstärke eines Titels auf einen vordefinierten Pegel angepasst, um ein einheitliches Hörerlebnis zu gewährleisten. Bei Streaming-Plattformen dient häufig die integrierte Lautstärke (LUFS) als Referenz, nicht die Spitzenwerte. Dadurch werden die Lautstärkeschwankungen zwischen den Titeln minimiert, was ein angenehmes und einheitliches Hörerlebnis gewährleistet.

Das Ziel der Normung

Das Ziel besteht nicht darin, die Arbeit der Tontechniker zu vereinheitlichen, sondern dem Endnutzer ein einheitliches Erlebnis zu bieten. Die Normalisierung gewährt den Tontechnikern jedoch kreative Freiheit, da:

  • Dynamischere Stücke (wie klassische Musik, traditioneller Jazz und die eher “orthodoxe” Weltmusik) können ihre Natürlichkeit bewahren.
  • Stärker komprimierte Titel (wie Pop, Dance, Metal und andere) können höhere Lautstärkewerte erreichen und werden anschließend von der Plattform angepasst.

Mastering für Streaming-Plattformen

Muss ich mit -14 LUFS brennen?

Nicht unbedingt. Auch wenn viele Plattformen einen Referenzwert von -14 LUFS vorgeben, ist es nicht zwingend erforderlich, sich daran zu halten. Hier sind einige Überlegungen:

  1. Künstlerische Absicht: Die Klangqualität und die künstlerische Kohärenz müssen im Vordergrund stehen.
  2. Unterschiede zwischen den Plattformen: Apple Music verwendet -16 LUFS, Deezer -15, und Pandora orientiert sich nicht an LUFS.
  3. Spezifikationen in der Entwicklung: Die Referenzwerte können sich im Laufe der Zeit ändern.

Am besten ist es, einen Master zu erstellen, der das klangliche Potenzial des Titels optimal zur Geltung bringt, ohne dabei Abstriche bei der Dynamik oder der Qualität zu machen. Es sollte jedoch erwähnt werden, dass der Trend in der Musikindustrie im Jahr 2024 dahin geht, Master mit einem Pegel zwischen -9 und -7 LUFS zu erstellen.

Dieser Ansatz scheint die verhängnisvollen Praktiken wieder aufleben zu lassen, die während der Zeit der Loudness-Krieg, die um das Jahr 2005 herum teilweise aufgegeben wurde. Tatsächlich scheinen hohe Kompressionsgrade beim Mastering in der Popmusik insbesondere seit den 20er Jahren des 21. Jahrhunderts wieder im Kommen zu sein, wobei jedoch bessere Ergebnisse erzielt werden als damals, dank verbesserter digitaler Werkzeuge und der höheren Effizienz der Schritt-für-Schritt-Kontrolltechniken, die während des Mastering-Prozesses angewendet werden können,

Loudness-Krieg: Begriff, der den insbesondere seit den 90er Jahren besonders intensiven Wettbewerb zwischen Produzenten und Toningenieuren beschreibt, Aufnahmen mit einer immer höheren wahrgenommenen Lautstärke zu erstellen. Dies wird oft durch übermäßige Kompression und Begrenzung erreicht, wobei der Dynamikbereich zugunsten eines maximalen scheinbaren Pegels geopfert wird. Obwohl der ’Loudness War“ durch den Wunsch motiviert war, die Aufmerksamkeit der Hörer zu gewinnen, wurde er wegen der Verschlechterung der Audioqualität kritisiert. Mit der Einführung der Loudness-Normalisierung auf Streaming-Plattformen hat der Druck, sich an diesem ”Krieg“ zu beteiligen, nachgelassen, was zu einer stärkeren Betonung der musikalischen Dynamik geführt hat.


True-Peak-Management und Album-Ausgleich

Der True Peak stellt den Höchstpegel dar, den ein Audiosignal nach der Digital-Analog-Wandlung erreichen kann. Eine strenge Kontrolle dieses Parameters ist entscheidend, um Clipping und Verzerrungen zu vermeiden, insbesondere angesichts der zunehmenden Verbreitung von verlustfreies Streaming, wodurch das Originalsignal vollständig erhalten bleibt.

Lossy-Streaming

Verlustbehaftete Formate wie MP3 und AAC verringern die Dateigröße, indem sie Klanginformationen entfernen, doch die Komprimierung kann zu höhere Spitzenwerte auf dem in den Originaldateien sichtbaren Niveau. Um unerwünschte Artefakte bei der Wiedergabe zu vermeiden, wird empfohlen, den True Peak unter -1 dBTP, wobei ein ausreichender Spielraum gelassen wird, um eventuelle durch den Kodierungsprozess verursachte Überspitzen auszugleichen.

Verlustfreies Streaming

Beim verlustfreien Streaming, bei dem Codecs wie FLAC oder ALAC verwendet werden, um Audio ohne Qualitätsverlust zu übertragen, bleibt die Klangtreue gegenüber der Originalquelle vollständig erhalten. Allerdings ist eine strengere Kontrolle der Spitzenpegel erforderlich. Die herkömmliche Grenze von -0,3 dBTP, wie es beim CD-Mastering üblich ist, reicht möglicherweise nicht aus, um eine einwandfreie Wiedergabe zu gewährleisten, insbesondere auf empfindlichen Geräten. Es wird daher empfohlen, den True-Peak-Wert unter -1 dBTP für mehr Sicherheit.

Anmerkung: In Extremfällen, wie beispielsweise bei stark komprimiertem Audio oder sehr niedrigen Bitraten, könnte ein Spielraum von -2 dBTP um Verzerrungen zu vermeiden.

Empfohlene Mastering-Kette

Um die Kontrolle des True Peak zu gewährleisten und Probleme in jedem Kontext zu vermeiden, empfehlen wir Folgendes:

  1. Ein Standard-Limiter eingestellt auf -1 dBFS um die allgemeinen Ebenen zu verwalten.
  2. Ein True-Peak-Limiter konfiguriert auf -1 dBTP (oder niedriger in komplexeren Fällen), um Clipping gezielt zu vermeiden.

Eine sorgfältige Überwachung des True Peak gewährleistet nicht nur einen verzerrungsfreien Klang, sondern bewahrt auch die Klangqualität und sorgt dafür, dass der Titel mit allen Plattformen und Wiedergabegeräten kompatibel ist – sowohl in verlustbehafteten als auch in verlustfreien Formaten.

Ausgleich der Alben

Bei Alben verfolgen die Plattformen zwei Ansätze:

  • Spurnormalisierung: Jeder Titel wird einzeln normalisiert (Amazon, YouTube, Deezer).
  • Album-Normalisierung: Das gesamte Album wird an die Lautstärke des lautesten Titels oder an den Durchschnittswert angepasst (Spotify, Apple Music).

Dadurch bleibt die vom Künstler beabsichtigte dynamische Balance erhalten, doch wird dem Mastering-Toningenieur empfohlen, die Balance zwischen den wahrgenommenen Lautstärken innerhalb desselben Albums sorgfältig zu überprüfen.

Die Wahl zwischen den beiden Ansätzen ist in der folgenden Tabelle in der Spalte Modus.


Loudness-Spezifikationen für die wichtigsten Plattformen

Hier ist eine Tabelle mit den Loudness-Spezifikationen und den True-Peak-Pegeln für die wichtigsten Streaming-Plattformen, SoundCloud und die Audio-CD:

Plattform LUFS True Peak Normalisierung Modus
Apple Music -16 -1 Standardmäßig aktiviert Album/Titel
Spotify -14 -1 Standardmäßig aktiviert Album/Titel
YouTube -14 -2 Immer aktiv Aufnahme
Amazon Music -14 -1 Standardmäßig aktiviert Aufnahme
Deezer -14 -1 Immer aktiv Aufnahme
Tidal -14 -1 Standardmäßig aktiviert Album
SoundCloud k. A. -1 Nicht zutreffend Nicht zutreffend
Audio-CD k. A. 0 Nicht zutreffend Nicht zutreffend

Anmerkungen:

  • SoundCloud: Es erfolgt keine Lautstärkenormalisierung, und es wird kein Referenzpegel in LUFS angegeben. Es wird jedoch empfohlen, den True Peak bei -1 dBTP zu halten, um Verzerrungen bei der Wiedergabe zu vermeiden.
  • Audio-CD: Es gibt keinen LUFS-Standard für Audio-CDs. Traditionell liegt der maximal zulässige Spitzenpegel bei 0 dBFS. Viele Fachleute ziehen es jedoch vor, den True Peak bei -0,3 dBTP zu halten, um ein mögliches Clipping bei der Wiedergabe auf verschiedenen Geräten zu vermeiden.

Abschließende Leitlinien für ein optimales Mastering

  1. Diene der Musik: Die Lautstärke beim Mastering muss der künstlerischen Absicht entsprechen und darf sich nicht starren Standards unterordnen.
  2. Ebenen verwalten: Für Pop-Musik eignet sich ein integrierter Pegel von etwa -12 LUFS mit Spitzenwerten unter -1 dBTP gut für alle Plattformen, ist jedoch für die typischen Gegebenheiten von Audio-CDs und SoundCloud weniger geeignet; außerdem sollte man wissen, dass im Pop und verwandten Genres der Trend für das Jahr 2024 bei einer Finalisierung bei -9/-7 LUFS liegt. Bei Genres mit hoher Dynamik wie der klassischen Musik ist es oft besser, sich auf Werte zwischen -23 LUFS (maximal puristischer Ansatz) und -14 LUFS (maximal progressiver Ansatz) zu bewegen; in diesem Fall ist jedoch eine Kompression über den gesamten Dynamikbereich des Titels vorzuziehen, anstatt ein “aggressives Limiting” auf die Spitzenwerte anzuwenden.
  3. Bewahrt die Dynamik: Opfern Sie nicht die Dynamik, um die Lautstärke an willkürliche Referenzwerte anzupassen, sondern halten Sie einen für die Musik ausreichend hohen LRA-Wert ein.
  4. Achten Sie auf maximale Klangreinheit und dynamische Kohärenz und vermeiden Sie dabei unbedingt alle folgenden Probleme:
    1. “Mechanische” Verzerrung, die durch die Ansprechzeit des Limiters verursacht wird: Wenn du eine Anschlagzeit von Null verwendest, stelle den LookAhead-Wert immer auf den Höchstwert ein; wenn du eine langsamere Anschlagzeit verwendest, um die Transienten besser zu erhalten, kannst du diesen Wert verringern, um eine höhere Lautstärke zu erzielen
    2. der “Atem” des Kompressors (das heißt der plötzliche Abfall der Lautstärke nach jedem Spitzenwert und der darauf folgende mehr oder weniger schnelle, aber hörbare Anstieg der Lautstärke)
    3. Falls sich das oben Genannte nicht vermeiden lässt, komprimiere den gesamten Dynamikbereich des Songs vor dem Eingreifen des Limiters unter Verwendung eines sehr niedrigen Verhältnisses (maximal 2:1, oft reicht jedoch auch deutlich weniger aus, was dir ermöglicht, auch sehr kurze Attack- und Release-Zeiten zu verwenden); Auf diese Weise wird das Eingreifen des Limiters moderater ausfallen, wodurch die oben genannten Probleme vermieden werden
  5. Führe eine detaillierte Bearbeitung des Masterings durch: Wenn dir eine bestimmte Stelle im Song beim Mastering schwer zu lösende dynamische Probleme bereitet, könntest du (mithilfe von Automationen) unterschiedliche Parameter für Lautstärke, Kompression oder Limiting nur an diesen spezifischen Stellen anwenden (manchmal kann sogar ein drastischer Eingriff über eine Dauer von wenigen Millisekunden erforderlich sein, um den Überschwung eines kurzzeitigen Extrempeaks zu dämpfen, ohne die Wirkung der Transiente dabei wesentlich zu beeinträchtigen; sollte dasselbe Problem nur in bestimmten Frequenzbereichen auftreten, könntest du (vor dem Limiting) eine gezielte Kompression einsetzen, die ausschließlich auf diesen spezifischen Frequenzbereich wirkt.

Mit diesen Hinweisen wird dein Mastering in dynamischer Hinsicht technisch präzise und musikalisch einfühlsam sein und sich sowohl an aktuelle als auch an zukünftige Standards anpassen.

Die Klangbalance beim Mastering

Siehe auch diesen anderen Blog-Artikel

Leitfaden zum Mastering für Streaming-Plattformen: Ausgleichende Entzerrung und mehr


 

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert